Mit zunehmendem Alter nehmen auch die Bedürfnisse an den Alltag unserer Ponys und Pferde zu. Alte Pferde haben andere Ansprüche an die Fütterung und Haltung als ihre Artgenossen „im besten Alter“.
Probleme bereitet vor allem eine Verlangsamung aller Stoffwechselprozesse, welche sich in jeder Zelle nachweisen lässt und den Organismus in seiner Gesamtheit betrifft. Die altersbedingt zunehmende Einschränkung der Zellaktivität äußert sich u. a. darin, dass Futter weniger gut aufgeschlossen, genutzt und verdaut werden kann. Die Anfälligkeit für Erkrankungen nimmt einerseits zu, andererseits benötigt das alternde Pferd eine längere Regenerationsphase. Der Senior benötigt mehr Nährstoffe, als zu besten Zeiten. Darüber hinaus muss das Futter so beschaffen sein, dass es gut aufgeschlossen und verwertet werden kann. Auch die Haltung muss den Änderungen der Lebensvorgänge angepasst werden. So kann es unverantwortlich sein, alte Pferde in der Herde im Offenstall zu halten, da diese oft das schwächste Mitglied der Herde sind in allen Konsequenzen, was bedeutet, dass sie vom Futter weggetrieben werden und stark abmagern. Andererseits ist ständige langsame Bewegung gerade im Alter wichtig, was wiederum eine Boxenhaltung ausschließt. Das Sprichwort „wer rastet, der rostet“ gewinnt bei Pferden große Bedeutung.
Bei Senioren bestehen in der Regel mehrere Erkrankungen gleichzeitig. So bestehen Störungen des Bewegungsapparates durch nachlassende Funktionalität, die Beweglichkeit der Gelenke nimmt ab, die Zellaktivität ist eingeschränkt und der Stoffwechsel funktioniert nicht mehr reibungslos. Pferde, welche schon früher an Atemwegserkrankungen litten, kämpfen im Alter verstärkt mit diesen. Der Organismus erholt sich langsamer von bestehenden Erkrankungen, die Zellregeneration lässt nach. Die Bedürfnisse nehmen insgesamt zu, was für den betreuenden Menschen mithin ein größeres Maß an Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen fordert.
Neben einem höheren Zeitaufwand entstehen auch zwangsläufig höhere Kosten durch die im Laufe des Pferdelebens entstandenen Problematiken, den höheren Anspruch an die Ernährung sowie den gesteigerten Grundumsatz.
Ein ganzheitliches Vorgehen - nicht Symptome bekämpfen – unter Einbeziehung des gesamten Pferdealltags ist wichtig.
Priorität bei alten und/oder unreitbaren Pferden hat grundsätzlich eine dem jeweiligen Individium angepasste Haltung und Fütterung. Theoretisch kein Problem, leider sieht die Praxis anders aus: Jedem Pferd/Pony mit gesundheitlichen Problemen müssen Haltungsbedingungen geschaffen werden, die ein pferdegerechtes Leben ermöglichen, den besonderen Bedingungen an Fütterung und Haltung muss Rechnung getragen werden. So benötigen alte und kranke Pferde Ruhe, Erholung und eine Herde, die ihnen freie Entfaltungsmöglichkeiten der Persönlichkeit bietet: Dies ist eine langjährig bestehende Herde (= Familie), negativ zu beurteilen ist eine hohe Fluktuation, wie sie an der Tagesordnung bei Reitbetrieben ist. Positiv zu beurteilen ist eine scharfe Beobachtungsgabe, welche Schwachstellen, wie z. B. eine völlige Unterwürfigkeit des geschwächten Pferdes, welche sich in Angst, Panik und Problemen in der Futter- sowie Wasseraufnahme zeigt, unmittelbar aufdeckt und ausgerichtet auf die tatsächlichen Verhältnisse in der Lage ist, diese zu unterbinden. Alte oder erkrankungsbedingt gehandikapte Pferde und Ponys benötigen in erster Linie ein kompetentes Stallmanagment, welches Sorge für eine freie Entfaltung der Persönlichkeit des geschwächten Individiums trägt, Haltungsbedingungen immer den tatsächlichen Gegebenheiten anpasst und so ein pferdegerechtes Leben sicherstellt. Es müssen Bedingungen geschafft werden, in denen jedes einzelne Pferd sich rundum wohl fühlt, Futter- und Wasseraufnahme dürfen nicht durch Angst gegenüber anderen Pferden erschwert oder sogar unmöglich gemacht werden.
Ausschlaggebend zum pferdegerechten Leben sind einerseits die tatsächlichen Verhältnisse des Einstellbetriebes, was die Weideflächen, Stallgebäude, Herdenzusammensetzung, Fluktuation etc. betrifft, andererseits auch die Kompetenz, Zeit, der Pferdeverstand, die Liebe zum Pferd, das Einfühlungsvermögen sowie Managment und Organisation des Stallbetreibers.
Gerade bei alten und erkrankten Pferden sollte Qualität, nicht Quantität der Maßstab sein!
Ganz klar muss hier gesagt werden: Alte und erkrankte, unreitbare Pferde können nicht „billig“ abgeschoben werden. Zeitaufwand, Pflege, Versorgung, besondere Ansprüche an die Fütterung und Haltung, Kontrollen und medizinische Versorgung fordern hier ihr Attribut. Der Irrglaube, ein Pferd, welches nicht mehr reitbar ist, billig einzustellen, muss relativiert werden durch Anerkennung der Tatsachen.
Ein normaler Einstellbetrieb mit durchschnittlichen Einstellpreisen kann aus wirtschaftlichen Gründen diesen Service nicht bieten. Alte und unreitbare Pferde erfordern Zeit: Zeit ist Geld! Schließlich muss auch ein Reitbetrieb leben, so lässt sich ein billiges Abstellen nicht mit einer individuell pferdegerechten Haltung, Fütterung, Betreuung, Pflege und medizinischen Versorgung vereinbaren. Letztlich ist ein pferdegerechtes Zuhause jedoch langfristig die günstigere Alternative, da durch Umsicht, Weitsicht und verantwortlichem Handeln mit Pferdeverstand Folgekosten eingespart werden und unnötige Tierarztkosten gar nicht erst entstehen.
Und – das ist wohl der wichtigste Aspekt – ein noch langes und vor allem lebenswertes Leben des geschwächten/alten und unreitbaren Pferdes ermöglichen!
Zentrum für ganzheitliche Tierheilkunde, THP C. Nehls, Am Buchholz 3, 33014 Bad Driburg, Tel.: 05648/963335, www.tierheilkundezentrum.de