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Berichte - Prophylaktische Maßnahmen zur Gesunderhaltung von Ponys

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Die Ursachen vielfältiger Erkrankungen unterschiedlicher Genese unserer Pony`s sind zum überwiegenden Teil in einer nicht ponygerechten Haltung und Fütterung zu finden. Selbst wenn eine Disposition, d. h. eine Tendenz zur Krankheitsbereitschaft, welche familiär oder rassebedingt vorhanden sein kann, vorliegt, so hat die artgerechte Haltung und Fütterung wesentlichen Einfluss darauf, ob lediglich die Disposition oder eine diesbezügliche Erkrankung in Erscheinung tritt. Oft führen gerade bei Pony`s Haltungs- und Fütterungsfehler aus Unwissenheit oder falsch verstandener Tierliebe zu schwerwiegenden Erkrankungen. Aus diesem Grunde möchte ich versuchen, Auswirkungen und Zusammenhänge einer annähernd optimalen sowie auch einer fehlerhaften Haltung und Fütterung auf die Gesundheit unserer Pony`s näher darzustellen.

Obwohl unter dem Begriff „Pony“ die unterschiedlichsten Rassen zusammengefasst werden, hierzu zählt das Shetland-Pony ebenso wie die Robustrassen Haflinger, Fjord und Isländer sowie auch die mit vollblütigen Linien veredelten Ponyrassen, sind die Bedürfnisse und Ansprüche an Haltung und Fütterung ähnlich.

Wichtigstes Kriterium überhaupt ist eine ganzjährige Gruppenauslaufhaltung auf weitläufigem Gelände mit der Möglichkeit eines Wetterschutzes, dem sogenannten Offenstall. Die Rede ist hier nicht von einem für mehrere Ponys zu nutzendem matschigem und unzureichend eingezäuntem 1000 Quadratmeter Grundstück und einer schnell zusammengezimmerten Weidehütte in Verbindung mit einem algendurchsetzten Tränkebecken, im Winter tief eingefrorenem Boden und Wasser. Als ponygerecht ist hier ein massiv und stabil gebauter ausreichend großer Offenstall mit der Möglichkeit zum freien Zugang für jedes - auch das rangniedrigste - Pony auf einem pro Pony (nach Größe aufsteigend) mit mindestens 5000 Quadratmeter zu veranschlagendem Gelände. Die Bodenbeschaffenheit sollte in der Form gewählt werden, dass bei jedem Wetter ein ungefährliches Passieren ermöglicht wird, was bedingt durch die Größe der zugrunde liegenden Fläche relativ vereinfacht wird. Lediglich der „Trampelpfad“ zum Gelände sowie die Fläche vor dem Offenstall muss befestigt werden. Das Gelände sollte aus ungedüngten Pferdegräsern bestehen (kein Hochleistungsgras), welche rohfaserreich, protein- und energiearm sowie kräuterreich sein sollten. Unkraut sollte ausgemäht und nicht mit der „Chemie-Keule“ bekämpft werden (der Gedanke an die Gesundheit des Ponys wird die Arbeit erleichtern..). Der ständige Zugang zu sauberem Trinkwasser (im Winter z. B. durch Installation einer Regelheizung) sollte selbstverständlich sein.

Leben unsere Pony`s ganzjährig in dieser wirklich ponygerechten Art und Weise, ist dies eine überaus wichtige prophylaktische Maßnahme, da den Bedürfnissen insoweit Rechnung getragen wird, dass allein durch die Haltung viele typische Ponyerkrankungen vermieden werden. Je näher die Haltung der Pony`s dem Leben in der vor Domestikation natürlichen Umgebung kommt, je positiver ist die Haltung zu beurteilen.

Fütterung:

Bei der Fütterung des Pony`s heißt es grundsätzlich: Weniger ist mehr!

Das Rauhfutter, also Heu und Stroh, sind die wichtigen Rohfaserlieferanten. Rohfasern fördern die Motorik des Darms, tragen zum Sättigungsgefühl bei, sorgen für ein ausgewogenes Säure-Basen-Verhältnis und halten die so wichtige Symbiose (Lebensgemeinschaft der Darmbakterien/Mikroorganismen) aufrecht.

Durch den Aufbau des Verdauungstrakts ist eine ständige Nahrungsaufnahme von Nöten. Der relativ kleine Magen (maximales Volumen beim Pferd 15 Liter, bei Ponys entsprechend der Größe geringer) erlaubt nur kleine Futtermengen pro Mahlzeit.

Rauhfutter ist für den Pferde/Ponydarm unerlässlich und vertreibt auch - durch besseres/langsameres Kauen (die intensive Kautätigkeit gewährleistet einen gleichmäßigen Abrieb der Backenzähne) eventuell aufkommende Langeweile. Darüber hinaus bietet Heu ein optimales Calzium:Phospor Verhältnis von ca. 1,5 – 2 : 1 und versorgt unser Pony mit allen wichtigen Nährstoffen. Dies setzt allerdings eine einwandfreie Qualität und optimale Lagerung voraus. Selbst bei optimaler Lagerung nimmt der Vitamin A-Gehalt im Heu stark ab (Verlust ca. 30 % bei der Ernte plus monatlich 10 % bei anschließender Lagerung). Auch alle anderen Nährstoffe des Rauhfutters nehmen bei zunehmender Lagerung ab. Dies sowie auch die Bewirtschaftung unserer Böden mit zunehmender Verarmung an wichtigen Pflanzen und Kräutern ist die Ursache hierfür, dass der Ponyhalter zumindest während des Winters zusätzlich eine natürliche Kräutermischung zufüttern sollte. Natürliche Kräuter enthalten wichtige Vitamine/Mineralstoffe/Spurenelemente und Bioflavone, welche dafür Sorge tragen, dass auch bei Nährstoffverlust des Rauhfutters während der Lagerung der essentielle Bedarf gedeckt wird. Hier sollte immer auf ein natürliches Produkt zurückgegriffen werden, um nicht die Gefahr einer Überversorgung, welche im Extremfall schwere Vergiftungen auslösen kann, einzugehen. Mit der Gabe von Heu und Stroh im Winter in Verbindung mit natürlichen Kräutern, welche individuell auf eventuelle Schwächen des Organismus abgestimmt sein sollten, um hier zusätzlich regulierend einzugreifen, ist unser Pony rundum optimal versorgt. Als gesunder Leckerbissen können zusätzlich Äpfel (in Maßen) und bis zu 2 kg Möhren täglich gefüttert werden.

Ausnahmen bestätigen allerdings auch hier die Regel:

Wird das Pony z. B. stark reiterlich beansprucht, befindet es sich im Seniorenalter, liegen schwere chronische Erkrankungen in Verbindung mit Abmagerung vor oder handelt es sich um ein Pony im „araberähnlichen Südländertyp“ stehend, können zusätzlich Kraftfutter/weitere Futtermittel erforderlich werden.

Während der Weidesaison ist die Weide in der Regel zur Deckung des Nährstoffbedarfs unserer Ponys ausreichend, obwohl eine Stroheinstreu, aus der sich das Pony nach Belieben bedienen kann, sichergestellt sein sollte (auch wegen des Liegekomforts). Durch eine ganzjährige Weidehaltung bei karger Weide mit naturbelassenen Gräsern entfällt die für den Pferdedarm ungünstig zu beurteilende Futterumstellung von der Winterfütterung zum frischen Gras. Verschiedene Vegetationsperioden werden im Einklang mit der Natur durchlebt, ohne dass gravierende Veränderungen stattfinden, da die Ponys langsam die Umstellung vom Wintergras zum frischen und nährstoffreicheren Gras durchleben, ohne einer massiven Veränderung ausgesetzt zu werden.

Auch bei oben beschriebener Haltung gibt es Ponys, welche zur Überfettung neigen. Hier muss ganz klar gesagt werden, dass solche „Kandidaten“ zusätzliche Bewegung benötigten und keinesfalls einer „0-Diät“ unterzogen werden sollten.

Typische Erkrankungen unter dem Aspekt der Fütterung und Haltung:

Hyperlipämie (Störung des Fettstoffwechsels) stellt ein lebensbedrohendes Symptom bei Ponys und Eseln dar und entsteht vor dem Hintergrund, dass das Pony mehrere Tage einer negativen Energiebilanz ausgesetzt wird (z. B. Futterentzug) und die dann einsetzende Mobilsierung des Depotfettes nicht durch eine zureichende Leberfunktion verstoffwechselt wird. Der Gesamtfettgehalt im Blutplasma steigt hier über dem Maximalwert und das Plasma wird trüb und milchig, die Pulsfrequenz erhöht sich, Puls- und Herzbeschleunigung resultieren aus einer fettigen Degeneration des Herzmuskels, das Pony befindet sich im Zustand der Apathie mit Bewegungsunlust, Nahrungs- und Trinkwasserverweigerung. Besonders gefährdet sind zwar trächtige Stuten, jedoch erkranken auch güste Stuten, Wallache und Hengste an Hyperlipämie. Plötzliche Veränderungen der Haltungs- und Futterbedingungen sowie Darmentzündungen (Verursacher u. a. hochgradiger Endoparasitenbefall) und der damit einhergehende Protein- und Mineralstoffverlust durch den heftigen Durchfall sind Gründe für die Mobilisation des Depotfettes, welches zur Hyperlipämie führt. Besonders gefährdet sind hier zu fette Ponys, welche plötzlich auf strenge Diät gesetzt werden, weil z. B. eine Hufreheerkrankung eingetreten ist oder auch trächtige Stuten, bei welchen im letzten Drittel der Trächtigkeit der durch die Trächtigkeit erhöhte Grundumsatz nicht berücksichtigt wird.

Hufrehe (Pododermatitis aseptica diffusa): Hufrehe ist eine Erkrankung, welche makroskopisch zwar in erster Linie an den schmerzhaft erkrankten Hufen (Huflederhautentzündung) sichtbar wird, welche jedoch den gesamten Organismus erfasst. Stoffwechseltoxine und Eiweißzersetzungsprodukte gelangen vom Darmraum in die Blutbahn, die Leber kann die Toxine nicht in der erforderlichen Menge ausscheiden. Eine Ursache liegt in übermäßiger Verfütterung energie- oder/und eiweißreicher Futtermittel in Verbindung mit einer unzureichenden Verbrennung infolge Bewegungsmangel.

Atemwegserkrankungen: Die hauptsächliche Ursache der immer häufiger auftretenden chronischen und allergischen Atemwegserkrankungen ist die Fütterung von qualitativ minderwertigem Rauhfutter (Staub, Pilzsporen, Futtermilben u. a.). Die Ponys können sich per Inhalation gegen die verschiedensten potentiellen Allergene in ihrer Umgebung sensibilisieren. Die wichtigsten Antigene bestehen aus Verunreinigungen von Futter und Einstreu, jedoch muss hier auch an Pollen gedacht werden. Die konventionelle Stallhaltung mit Matratzeneinstreu trägt mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und starker Ammoniakbelastung sowie auch der fehlenden ständigen Bewegung (Training Lunge, positiv für die gesamten Atemwege) begünstigend zur Symptomatik bei. Wirksame Prophylaxe ist das Füttern nur qualitativ hochwertigen Rauhfutters, Vermeidung von Staub jeglicher Art, hygienische Haltungsbedingungen mit täglichem Misten und Gruppenauslaufhaltung auf geeignetem Gelände.

Erkrankungen des Bewegungsapparates :

Durch ständige langsame und freie Bewegung des Ponys wird das so schädliche Wechselspiel zwischen „Boxenruhe“ und „reiterlicher Beanspruchung“ vermieden, Muskelkater kann kaum entstehen und eine gewisse Grundkondition ist haltungsbedingt vorhanden. Durch ständiges freies und somit „behutsames Training“ wird der gesamte Bewegungsapparat trainiert, seine Funktion unterstützt und ist so für viele Erkrankungen weniger disponiert. Die Vermeidung zu hoher Proteingaben sowie bedarfsgerechter Zuführung für den Bewegungsapparat wichtiger Mineralstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis wirkt sich des Weiteren positiv auf den Bewegungsapparat aus.

Allergien:

Obwohl allergische Reaktionen der Haut zum Teil genetisch bedingt sind, wird durch die oben geschilderte Haltung und Fütterung auch hier positiv Einfluss ausgeübt, da der gesamte Organismus des Ponys gestärkt wird. Durch zu hohe Proteinversorgung verschiebt sich das Säure-Basen-Verhältnis und die Darmsymbiose kann nicht aufrechterhalten werden. Im Darmraum befinden sich über 80 % der Immunzellen. Da eine Allergie eine Überreaktion des Immunsystems voraussetzt, trägt ein intakter bzw. durch falsche Fütterung nicht intakter Digestions-/Intestinalraum weitreichend zum Allergiegeschehen bei.

Kolik (abgeleitet vom griechischen „kolike“ = Bauchschmerz, vom Grimmdarm (Kolon) herrührender Schmerz):

Meist sind es Fütterungsfehler, wie verschimmeltes, stark quellendes, schwer verdauliches Futter, zur Gärung neigendes Futter oder viel zu große Futterportionen (Magenüberladung), welche zur Kolik führen.

Ein Grund für die nicht intakte Darmperistaltik sowie die damit einhergehenden Motilitätsstörungen ist weiterhin, dass bei fehlender Bewegung zu große Futtermengen in zwei- bis dreimaligen Mahlzeiten auf einmal aufgenommen werden müssen. Auch die Art des Futters unterscheidet sich zwischen Wildpony und Hauspony erheblich, die Übergänge von einer Futterart auf die andere erfolgen beim Wildpferd kontinuierlich, bei unseren Ponys oft abrupt. Während das Wildpferd Futter in naturbelassenem Zustand aufnimmt, sind bei unseren Ponys die Futtermittel gehäckselt, gemahlen, gequetscht und erhitzt.

Die Art unserer Ponyfütterung führt zu Dysbiosen mit Veränderung der Darmflora mit dem vermehrten Auftreten von Gasen und organischen Säuren sowie Endotoxinen, woraus Peristaltikstörungen entstehen. Ein weiterer negativer Faktor ist die fehlende Bewegung des Flucht- und Lauftieres Pferd/Pony bei konventioneller Haltung, welche sich zusätzlich kolikbegünstigend auswirkt.

Als wirksame prophylaktische Maßnahmen zur Gesunderhaltung sind weiterhin regelmäßige Wurmkuren (4 x jährlich) unter Berücksichtigung eventuell entstehender Resistenzen und individuell erforderliche Impfungen sowie regelmäßige Hufkorrekturen durch den Hufpfleger/Hufschmied anzusehen.

 

 

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